Fernandes bei Hamburger Demo für mehr Opferschutz
Veröffentlicht: Donnerstag, 26.03.2026 21:19

Debatte um digitale Gewalt
Hamburg (dpa) - Zusammen mit Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes haben Tausende Menschen bei einer Demonstration in Hamburg mehr Schutz für Opfer sexualisierter Gewalt gefordert. Die Veranstalter sprachen am Abend von 22.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Polizei von 17.000. «Es reicht! Die Scham muss die Seite wechseln», war auf vielen selbstgemalten Plakaten zu lesen. Die Aktion am Rathausmarkt wurde unter anderem von der Klimaaktivistin Luisa Neubauer und der Kolumnistin Alexandra Zykunov unterstützt.
«Ich stehe jetzt hier mit einer schutzsicheren Weste mit Polizeischutz und mit Security, weil ich Morddrohungen bekomme», sagte Fernandes, deren Stimme immer wieder ergriffen stockte. «Da muss man sich nicht mehr wundern, dass so viele Frauen einfach auch den Mut nicht haben, rauszugehen und zu sagen, dieses und jenes wurde mir angetan.»
Die 44-Jährige hatte eigentlich ihre Teilnahme an der Veranstaltung abgesagt, sie trat dann aber doch auf. Immer wieder brandete bei der kurzen Rede von Fernandes lauter Jubel auf. «Danke Collien», stand auf dem Pappschild einer Demonstrantin.
Schwere Vorwürfe
Hintergrund einer aktuellen Debatte über digitale Gewalt sind schwere Vorwürfe von Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der «Spiegel» berichtet hatte. Fernandes hat auf Mallorca Anzeige erstattet, wie eine Justizsprecherin auf der spanischen Mittelmeerinsel der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Das Verfahren befinde sich noch in einem sehr frühen und vertraulichen Stadium, sagte sie am 19. März.
Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich «in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung» handle. Zudem würden «unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet».
Urbanski: Schutz ist «unzureichend»
Man wolle ein sichtbares Zeichen auf der Straße setzen, sagte die Hamburger SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Annika Urbanski, die die Versammlung angemeldet hatte. Im Aufruf zur Demonstration hieß es: «Der Schutz für Betroffene durch Gesetze hier in Deutschland ist unzureichend.
Wir fordern mehr Schutz, klare Gesetze und echte Konsequenzen – online wie offline.» Die Idee zu der Demo sei aus Solidarität mit Fernandes entstanden.
Trotz Kälte und eines kurzen Hagelschauers hielten die Protestierenden bunte Plakate wie «Täterparadies: Deutschland», «Und dann ist da noch die Dunkelziffer» oder «Willst Du mit mir das Patriarchat zerschlagen?» in die Höhe und lauschten den zahlreichen Rednerinnen. Gekommen waren überwiegend Frauen, aber auch viele Männer demonstrierten.
Gesang, laustarker Applaus, Trillerpfeifen und Sprechchöre sollten ein lautes Signal setzen. Auch Politiker unterschiedlicher Parteien waren in der Menge. «Stehen wir auf, bleiben wir laut», sagte Klimaaktivistin Luisa Neubauer auf der Bühne.
In Berlin und Hannover waren in den vergangenen Tagen bei ähnlichen Aktionen Tausende auf die Straße gegangen. Weitere Demonstrationen in anderen Städten sind geplant.






