Deutschrap und Partyschlager: Neuer Musikmix am Ballermann

Haftbefehl
© Hannes P. Albert/dpa

Musik

Palma de Mallorca (dpa) - «Lass die Affen aus'm Zoo» oder «Ich weiß nicht mal wie sie heißt» könnten von den Songtiteln her absolute Ballermann-Klassiker sein. Doch hinter den Tracks stecken nicht Mickie Krause oder Lorenz Büffel, sondern die Rapgrößen Haftbefehl und Capital Bra. Beide treten an diesem Wochenende bei der Saisoneröffnung des «Megapark» in El Arenal auf. 

Shisha trifft auf Sangria, Autotune auf «Schalala»: Was lange als unvereinbar galt, scheint inzwischen fast selbstverständlich. Im vergangenen Sommer trat Sido mehrfach im sonst so schlagerlastigen «Bierkönig» auf. Doch es ist vor allem der «Megapark», der größte Partytempel am Ballermann, der Rapper in seinem Künstlerportfolio anbietet - was vor allem am deutlich jüngeren Publikum liegen dürfte.

Das sagt ein Hip-Hop-Experte zum Musikmix am Ballermann

«Diese Buchungen unterstreichen, dass Hip-Hop Teil der Popkultur geworden ist und mittlerweile eines der beliebtesten Genres», sagt Musikjournalist Robin Schmidt, der den Hip-Hop-Podcast «Robins Hood» moderiert. «Die Szene ist so divers, dass es kaum noch Vorbehalte gibt, auf solchen Events aufzutreten.»

In vergangenen Jahren tauchten im «Megapark» immer wieder bekannte Rapper auf, teils wöchentlich. Dabei passen Künstler wie Ski Aggu («Friesenjung»), Kay One («Señorita») oder die Atzen («Disco Pogo») musikalisch maßgeschneidert zur Party an der Playa. Auch Finch rappt mehrere Songs, die auf Ballermann-Partys dazugehören, wie «Abfahrt» oder «Liebe auf der Rückbank».

Capital Bra: Kommt er oder kommt er nicht?

Größer war die Verwunderung, als der «Megapark» zum Saisonabschluss des vergangenen Jahres erstmals Capital Bra ankündigte. Lange spekulierten Beobachter, ob der in Sibirien geborene Rap-Superstar tatsächlich in El Arenal auftauchen wird. Denn der 31-Jährige gilt in der Branche als unberechenbar. 

Am Ende stand Bra im weißen T-Shirt auf der Bühne und performte gut gelaunt Partyhits wie «Cherry Lady» und «Roli Glitzer Glitzer». Nach einer knappen halben Stunde war der Kurz-Gig dann auch wieder vorbei.

Dafür soll der Musiker mehrere zehntausend Euro kassiert haben - und kommt an diesem Samstag zurück. Allerdings gibt es erneut Fragezeichen, zumal sein Manager der «Bild» vor wenigen Tagen einen Drogenabsturz in Berlin bestätigte.

Darum ist der Haftbefehl-Auftritt so überraschend

Auch Haftbefehl machte in den vergangenen Monaten mit Drogeneskapaden Schlagzeilen, die Hauptbestandteil einer erfolgreichen Netflix-Doku waren. Für den Rapper aus dem hessischen Offenbach («Chabos wissen wer der Babo ist») ist der Auftritt am Freitag eine Ballermann-Premiere - und das hat sogar Deutschrap-Experte Schmidt verwundert. «Denn er steht für einen eher brachialen Sound mit rohen Texten.»

Es ist eine Mischung, die vielleicht auf den ersten Blick überrascht, dann aber doch viel Sinn ergibt. Denn (Party-) Schlager und Deutschrap gehören zu den reichweitenstärksten Genres im Streaminggeschäft. Die jungen Partyurlauber sind mit Rap aufgewachsen.

Eingängige Hooks, einprägsame Textstellen und Themen wie Feiern, Frauen und Freundschaft haben beiden Musikrichtungen gemeinsam - nur die Sprache ist eine andere. Während der Partyschlager oft ironisch oder augenzwinkernd daherkommt, setzt Rap häufiger auf Authentizität und Attitüde. 

Immer mehr Rap-Ballermann-Duette

Auch Kollaborationen gibt es immer häufiger. Der Brandenburger Hip-Hopper Finch brachte an diesem Freitag «Analysieren» mit Rumbombe («Hurensohn») raus. Und er holte für seine Tour Mia Julia («Bring mich nach Hause») als Voract auf die Bühne.

«Ob Ballermann oder nicht: Sie bringt Leute dazu, den Alltag zu vergessen und Spaß zu haben und führt Menschen zusammen. Das ist das Tollste, was Musik macht, sie verbindet», sagte Finch der dpa über seine Zusammenarbeit.

«Überangebot an unterdurchschnittlichen Titeln»

Partyschlager-Star Mickie Krause («Schatzi schenk mir ein Foto») findet Abwechslung gut. «Denn man muss aufpassen, dass den Leuten die typische Ballermannmusik nicht irgendwann auf die Nerven geht», sagte er der dpa. «Denn was Ballermannmusik angeht, da haben wir aktuell ein Überangebot an unterdurchschnittlichen Titeln!» 

Ballermann-Urgestein Ikke Hüftgold («Bumsbar») sieht die Entwicklung dagegen kritisch. «Man kann sich schon fragen, warum wir unseren stabilen Markt selbst verwässern. Gerade die Älteren vergrault man so zum Teil, weil es nicht mehr zugespitzt auf die eigentliche Zielgruppe ist.»

Der Sänger und Produzent schießt gern mal gegen den «Megapark». Haftbefehl und Capital Bra müsse man eigentlich «von der Bühne fernhalten». «Der eine kokst sich im wahrsten Sinne des Wortes die Nase weg und zeigt das in einer Doku. Der andere filmt sich bei einem Drogenabsturz selbst.» Alkohol sei ohnehin ein Problem an der Playa. «Da hinterfrage ich mich auch selbst immer wieder, ob es richtig ist, das zu propagieren.»

Auch die immens hohen Gagen könnten nach hinten losgehen. «Das auf die Leute umzulegen, wird in die Hose gehen. Diese Kaliber kosten das Drei- bis Fünffache von dem, was ein normaler Mallorca-Star kostet, der auch die Bude rammelvoll macht.» Bei Auftritten von Sido oder Finch verlangen die Clubs einen Mindestverzehr von bis zu 50 Euro. 

Wer hat Angst vor wem?

Wie geht es jetzt weiter am Ballermann? Krause hat zumindest keine Angst, dass die Gangsterrapper ihm gefährlich werden können. Und er fügt augenzwinkernd hinzu: «Eigentlich müssen sie Angst vor mir haben».

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Spring Break Festival am Goitzschesee in Pouch
Capital Bra: Nach Drogenvorfall in Berlin zu Gast in der Saufhochburg Ballermann.© Alexander Prautzsch/dpa-Zentralbild/dpa
Capital Bra: Nach Drogenvorfall in Berlin zu Gast in der Saufhochburg Ballermann.
© Alexander Prautzsch/dpa-Zentralbild/dpa
Sido
Auch Sido hat inzwischen den Ballermann für sich entdeckt.© Bodo Schackow/dpa
Auch Sido hat inzwischen den Ballermann für sich entdeckt.
© Bodo Schackow/dpa
Megapark auf Mallorca
Der «Megapark» feiert bis Sonntag seine Saisoneröffnung.© Clara Margais/dpa
Der «Megapark» feiert bis Sonntag seine Saisoneröffnung.
© Clara Margais/dpa

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