Verstappens Crash-Debakel: Russell rast zur ersten Pole
Veröffentlicht: Samstag, 07.03.2026 09:23

Formel-1-Auftakt in Australien
Melbourne (dpa) - Zerknirscht erlebte der viermalige Weltmeister Max Verstappen den Aufbruch der Formel 1 in eine neue Zeitrechnung. Während der Red-Bull-Star mit einem Unfall-Aus schon nach wenigen Minuten in der Qualifikation einen Fehlstart hinlegte, lässt George Russell mit der ersten Pole Position der neuen Ära Mercedes auf die Rückkehr zu glorreichen Zeiten hoffen.
«George hat die ganze Zeit in der Qualifikation dominiert und mit Leichtigkeit die Zeit am Ende rausgeklopft», sagte der sichtlich zufriedene Teamchef Toto Wolff, nachdem er in der Garage die Mercedes-Crew abgeklatscht hatte. Mit Platz zwei machte Youngster Kimi Antonelli, der im letzten freien Training noch einen heftigen Crash erlebt hatte, die Startplatzjagd für die Silberpfeile zum Genuss.
Antonellis Crash
«Es war ein sehr, sehr stressiger Tag. Die Mechaniker waren heute die Helden. Wir konnten das Auto nicht einmal einstellen, wir sind einfach losgefahren», erzählte der 19-jährige Antonelli, der zum Ende des Abschlusstrainings über die Randsteine gefahren war, dabei die Kontrolle über seinen Wagen verlor und mit dem Heck in Kurve zwei in die Streckenmauer krachte.
Hilfreich für die Mechaniker, die unter Hochdruck den Mercedes reparieren mussten, war das völlig überraschende Aus für Verstappen. Der Niederländer schied mit seinem Red Bull nach einem Dreher schon in der ersten Qualifikationsrunde aus und sorgte unfreiwillig für Rote Flaggen.
Verstappen bitter enttäuscht
Die Unterbrechung verschaffte Mercedes etwas Zeit bei der Instandsetzung von Antonellis W17. «Der Abflug von Max hat uns geholfen, da wollen wir nicht schadenfreudig sein», sagte Wolff.
Verstappen war dagegen bedient. «Ich habe angebremst und die Hinterachse hat voll blockiert», erläuterte der 28-Jährige, nachdem er sich ausgangs der Start-Ziel-Geraden in der ersten Kurve mit seinem Wagen ins Kiesbett gedreht hatte. «Keine Ahnung, was da los war, es ist schwer zu sagen.»
Verstappen muss nun ohne gezeitete Runde von Platz 20 am Sonntag (5.00 Uhr MEZ/Sky) in den Grand Prix von Australien starten. Und dass ihm die neue Auto-Generation gar nicht gefällt, verdeutlichte er erneut. «Ich habe überhaupt keinen Spaß mit diesen Autos», nörgelte Verstappen. «Wenn man sich die Onboard-Aufnahmen ansieht, sieht man genug, oder?»
Steht Mercedes am Beginn einer neuen Ära?
Sein Red-Bull-Teamkollege Isack Hadjar legte mit Rang drei dagegen sein bestes Qualifikationsergebnis hin. «Es ist ein fantastischer Start für Isack, wenn man sieht, wo wir begonnen haben mit diesem Antrieb», befand Teamchef Laurent Mekies und lobte den vom Schwesterteam Racing Bulls beförderten Hadjar für dessen «riesige Leistung».
An der Spitze stehen aber zwei Silberpfeile, die nach vier schweren Jahren wieder von einer eigenen Erfolgsära träumen dürfen. Mercedes, das über einen Kniff mit dem sogenannten Verdichtungsverhältnis mehr Leistung aus dem Motor herausholt als die Konkurrenz, hat schon während der Tests sein Potenzial angedeutet.
Glock rechnet mit «Spazierfahrt» für die Silberpfeile
«Ich bin so froh, dass diese chaotischen Ground-Effect-Autos weg sind und wir endlich das tun können, was wir am besten können. Ich bin erleichtert über die harte Arbeit, die alle geleistet haben», sagte Wolff und wies auf die Mühen mit Antonellis demoliertem Wagen hin. «Das Auto sah aus wie ein Formel-1-Auto von Lego, das auf dem Boden ausgeschüttet wurde.»
Bei Russell, der die achte Pole Position seiner Karriere holte, schien alles wie einem Guss. «Es ist ein großartiger Tag. Wir wussten, dass das Auto viel Potenzial hat. Ich bin sehr froh, dass Kimi neben mir ist, denn das Team hat in der Garage einen fantastischen Job gemacht», befand Russell. Sky-Experte Timo Glock prognostizierte für das Rennen: «Ich bin mir sicher, dass es eine Spazierfahrt wird für Mercedes.»
Russell als erfolgreicher Energie-Manager
Die Formel 1 erlebt in dieser Saison die vermutlich größte Regelrevolution ihrer Geschichte mit neuen Motoren und neuen Autos. Da fast 50 Prozent der Leistung von einer Batterie kommen, sind die Fahrer zu permanentem Energie-Management gefordert. Sie müssen unterstützt von der Software in ihren Autos abwägen, wann die günstigsten Zeitpunkte sind, um Energie zurückzugewinnen.
Russell machte als Energie-Manager einen glänzenden Eindruck. Nachholbedarf hat dagegen Konstrukteurschampion McLaren. Weltmeister Lando Norris wurde im McLaren nur Sechster direkt vor Rekordchampion Lewis Hamilton im Ferrari.
Norris klagt über «viele Probleme»
Nachdem Antonelli auf dem 5,278 Kilometer langen Albert Park Circuit Teile seines Mercedes-Gebläses verloren hatte, raste Norris auch noch über eines dieser Kunststoffstücke. Das kostete wertvolle Zeit.
«Es war wechselhaft. Eine Runde besser, eine Runde schlechter. Es ist einfach schwierig. Ich war von Beginn des Wochenendes an im Hintertreffen», meinte Norris, dessen Teamkollege Oscar Piastri vor ihm Fünfter wurde. «Es gab viele Probleme mit dem Auto, von denen ich mir wünschte, es wären weniger gewesen.»
Und auch Norris konnte sich erneute Kritik an den neuen Autos nicht verkneifen. «Wir sind von den besten Autos, die jemals in der Formel 1 gebaut wurden und am angenehmsten zu fahren sind, zu den wahrscheinlich schlechtesten gekommen», zischte er.
Audi kann zuversichtlich sein
Nico Hülkenberg, der einzige deutsche Fahrer im Feld, verpasste bei der Premiere von Audi als Werksteam die letzte K.-o.-Runde. Der Rheinländer schloss die Qualifikation als Elfter ab. Sein brasilianischer Teamkollege Gabriel Bortoleto schaffte es als Zehnter in den Schlussdurchgang, wegen eines technischen Defekts konnte er aber keine Runde mehr drehen.
Hülkenberg beschrieb die Qualifikation als «sehr dynamisch, viel drin, hektisch auch, einige Problemchen. Es lief nicht so zivilisiert wie im letzten Jahr», sagte er im TV-Sender Sky. «Es lief eigentlich nicht so viel zusammen bis auf die letzte Runde im Q2.» Dennoch kann Audi mit dem Auftakt erst einmal zufrieden sein.





