Trump schickt Delegation für Iran-Gespräche nach Islamabad
Veröffentlicht: Sonntag, 19.04.2026 15:26

Lage am Golf
Washington/Teheran/Islamabad (dpa) - Kurz vor dem Auslaufen der Feuerpause im Iran-Krieg am Mittwoch hat US-Präsident Donald Trump seine Bereitschaft zu neuen Verhandlungen angekündigt. Seine Vertreter seien am Montagabend in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad, schrieb Trump auf der Plattform Truth Social ohne Angaben zur Zeitzone zu machen. Aus Teheran gab es zunächst keine Angaben dazu, ob auch eine iranische Delegation nach Islamabad reisen wird.
Trump schrieb, die USA böten dem Iran einen «sehr fairen und vernünftigen Deal» an. Er hoffe, dass der Iran diesen annehme. «Wenn sie es nicht tun, werden die Vereinigten Staaten jedes einzelne Kraftwerk und jede einzelne Brücke im Iran ausschalten», fügte Trump hinzu und wiederholte damit eine bereits früher ausgesprochene Drohung. Es wäre ihm dann eine Ehre, das zu tun, was zu tun sei und was schon andere Präsidenten in den letzten 47 Jahren hätten tun sollen. Es sei an der Zeit, «der iranischen Tötungsmaschine» ein Ende zu setzen.
Belastet wird die Situation durch die erneute Sperrung der Straße von Hormus und das militärische Vorgehen der iranischen Streitkräfte gegen Schiffe, die die Meerenge passieren wollen. Der Iran begründet das mit der andauernden US-Blockade von iranischen Häfen und Schiffen, die aus diesen auslaufen oder diese ansteuern wollen. Trump warf dem Iran seinerseits einen eklatanten Verstoß gegen die Vereinbarung über die Waffenruhe vor.
Teheran sieht weiter viele offene Punkte für eine Einigung
Teheran hatte vor Trumps Ankündigung klargemacht, weiter große Differenzen zu sehen. Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf sagte der Nachrichtenagentur Tasnim, man habe zwar Fortschritte erzielt, doch gebe es weiterhin eine erhebliche Kluft zwischen beiden Staaten. Einige Streitpunkte seien zwar gelöst worden, andere Punkte blieben jedoch ungeklärt. Man sei noch «weit von einer endgültigen Einigung entfernt.» Sein Land kontrolliere den gesamten Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, sagte Ghalibaf in dem am Morgen im iranischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Interview. Kurz zuvor hatte das Militär des Landes die erst am Freitag angekündigte Öffnung der für den globalen Ölmarkt wichtigen Meerenge wieder rückgängig gemacht.
Trump zeigte sich zunächst unbeeindruckt
Trump zeigte sich anschließend unbeeindruckt von Irans Kehrtwende. Teheran gehe seit Jahren so vor – «damit können sie uns nicht erpressen», sagte er vor Journalisten im Weißen Haus. Trump betonte, dass beide Seiten weiter verhandelten. «Wir führen derzeit sehr gute Gespräche. Es läuft wirklich sehr gut», sagte er - im starken Kontrast zu seiner Botschaft am Sonntag.
Iranische Streitkräfte beschießen Schiffe in Meerenge
Nach der Kehrtwende mit Blick auf die Straße von Hormus gehen die iranischen Streitkräfte mit Waffengewalt gegen Schiffe vor, die die Meerenge trotzdem passieren wollen. Wegen mutmaßlichen Beschusses von zwei indisch beflaggten Handelsschiffen bestellte das Außenministerium in Neu-Delhi den iranischen Botschafter ein. Man habe die «tiefe Besorgnis Indiens» über den Vorfall übermittelt, hieß es in einer Erklärung.
Zuvor hatte der Verfolgungsdienst TankerTrackers.com unter Berufung auf den maritimen Notrufkanal berichtet, iranische Revolutionsgarden hätten in der Meerenge zwei Schiffe gewaltsam zurückgedrängt. Betroffen sei unter anderem ein Supertanker gewesen, der zwei Millionen Barrel (rund 272.000 Tonnen) irakisches Rohöl transportiere.
Die Meerenge war nach der überraschenden Ankündigung ihrer Freigabe am Freitag keine 24 Stunden offen. In dieser Zeit passierten aber nur wenige Schiffe die Wasserstraße - die Lage ist zu unberechenbar. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg erklärte: «Ohne belastbare Sicherheitsgarantien kann es keine nachhaltige Normalisierung des Schiffsverkehrs in dieser für den Welthandel zentralen Region geben.»
Durch den Iran-Krieg im Persischen Golf gestrandete Kreuzfahrtschiffe durchquerten die Straße von Hormus dagegen und sind auf dem Weg nach Europa - ohne Passagiere. Darunter sind «Mein Schiff 4» und «Mein Schiff 5» von TUI Cruises und die «MSC Euribia» der Schweizer Gesellschaft MSC.
Huthi-Miliz droht mit neuen Angriffen auf Handelsschiffe
Auch die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen drohte mit neuen Angriffen auf Handelsschiffe. Der ranghohe Huthi-Vertreter Hussein al-Essi sprach auch von einer möglichen Schließung der Meerenge Bab al-Mandab, die den Suezkanal und Europa vom Indischen Ozean und Asien trennt.
Vorbereitungen in Islamabad für neue Verhandlungen laufen
Seitens der pakistanischen Regierung wurde offiziell noch nichts zu neuen Verhandlungen in Islamabad mitgeteilt. Kurz nach Trumps Ankündigung teilte das Außenministerium aber mit, Ressortchef Ishaq Dar habe in einem Telefonat mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi betont, ein kontinuierlicher Dialog sei entscheidend, um die aktuellen Spannungen rasch zu entschärfen und Frieden sowie Stabilität in der Region zu fördern.
In Islamabad laufen seit Tagen die Vorbereitungen für eine neue Runde. Die Sicherheitsvorkehrungen waren deutlich sichtbar: So wurde die sogenannte Rote Zone mit Botschaften und Regierungsgebäuden, in der bereits die erste Gesprächsrunde stattfand, wieder abgesperrt. Erste Verhandlungen waren eine Woche zuvor ohne konkrete Ergebnisse beendet worden.
Am 28. Februar hatten die USA und Israel einen Krieg gegen den Iran begonnen. Dieser reagierte mit Raketenbeschuss und attackierte Ziele in Israel und der ganzen Golfregion. Während die vereinbarte Waffenruhe bislang hält, gilt seit Freitag auch im Libanon eine Feuerpause zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz. Sie läuft am kommenden Wochenende aus.




