
Jahrestag der Flut: Zwischenbilanz nach fünf Jahren
Vor genau fünf Jahren hat die Flutkatastrophe unermessliches Leid gebracht. Familien haben Angehörige verloren und ganze Existenzen sind in wenigen Stunden zerstört worden. Um ein Zeichen zu setzen, hat Innenminister Reul Trauerbeflaggung am Dienstag (14.07.) an öffentlichen Gebäuden angeordnet. Auch in Erftstadt waren die Schäden immens.
Veröffentlicht: Montag, 13.07.2026 14:57
Schwere Schäden in Erftstadt-Blessem
Auch im Rhein-Erft-Kreis hatte die Katastrophe massive Folgen. In Erftstadt-Blessem brachten die Wassermassen die Kiesgrube zum Einsturz und lösten einen Erdrutsch aus. An der Radmacherstraße nahe dem Krater waren acht Häuser nicht mehr zu retten. Aber der Wiederaufbau kommt voran. Seit der Flut hat sich in Blessem vieles verändert. Viele zerstörte Häuser sind inzwischen wieder aufgebaut. Für den Wiederaufbau von Straßen und öffentlichen Gebäuden hat die Stadt nach eigenen Angaben mehr als 80 Millionen Euro aus dem Fluthilfefonds erhalten.
Ermittlungen zur Kiesgrube laufen weiter
Der Krater der Kiesgrube ist inzwischen zu etwa zwei Dritteln verfüllt. Nach Angaben der Stadt wurden rund 30.000 Lkw-Ladungen Erde in das acht Meter tiefe Loch gebracht. Bis die Verfüllung komplett abgeschlossen ist, wird es noch einige Jahre dauern. Danach soll das Gelände als Überflutungsgebiet dienen.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter unter anderem gegen den Eigentümer der Kiesgrube. Es besteht der Verdacht, dass es dort keinen ausreichenden Hochwasserschutz gegeben hat.
Betroffene kämpfen weiter mit den Folgen
Für viele Menschen in Blessem waren nicht nur die Katastrophe, sondern auch der Wiederaufbau eine große Belastung. Über Jahre hinweg haben Betroffene ihre Freizeit und viele Wochenenden investiert. Bei einigen Anwohnern laufen noch immer letzte Bauarbeiten.
Dazu gehören auch Christian und Nadine Rögels. Ihr Neubau wurde bei der Flut komplett zerstört, kurz bevor sie einziehen konnten. Nach Angaben von Christian Rögels sind die größten Herausforderungen nach fünf anstrengenden Jahren geschafft. Die restlichen Arbeiten sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Viel Kraft hätten aber auch die zahlreichen Anträge gekostet.
Johanniter helfen weiter in Erftstadt-Liblar
Auch die Johanniter-Hochwasserhilfe merkt ganz deutlich, dass auch fünf Jahre nach der verheerenden Flut in Erftstadt für viele Betroffenen die Katastrophe noch lange nicht vorbei ist, sie brauchen weiterhin Unterstützung.
Nach ihren Angaben kommen seit Beginn des Jahres immer noch rund 50 Betroffene pro Woche in ihr Büro nach Erftstadt-Liblar.
Denn während der Wiederaufbau äußerlich oft Fortschritte macht, hätten viele Betroffene weiterhin Sorgen und Ängste und leiden unter emotionalen Belastungen.
Zum Angebot der Johanniter-Hochwasserhilfe gehören persönliche Beratung und psychosoziale Begleitung, Vorträge zur Hochwasserprävention und Ferienprogramme für Kinder und Jugendliche.
Außerdem besuchen die Mitarbeiter die Betroffenen auch zu Hause oder sind in den Ortsteilen unterwegs, um zum Beispiel Flutschäden fachlich einzuschätzen und bei Förderanträgen zu helfen.