
Deutliche Worte des Richters
Über ein Jahr nach dem tödlichen Unfall in Hürth hat das Landgericht den Unfallfahrer am Freitag (10. Juni) unter anderem wegen fahrlässiger Tötung zu einer Jugendstrafe von 4,5 Jahren verurteilt. Der 21-Jährige war damals in eine Gruppe Grundschulkinder gefahren. Dabei wurden die zehnjährige Avin und der 25-jährige Schulbegleiter Luis Paolo getötet.
Der Richter fand in der Urteilsverkündung deutliche Worte: Zum Verurteilten sagte er, er sei nur an Haaresbreite an einer Verurteilung wegen Mordes vorbeigekommen. Er habe unfassbar viel Leid verursacht, so der Vorsitzende. Man habe keinen Zeugen erlebt, der nicht schwer traumatisiert gewesen sei. Die Tat habe eine ganze Kleinstadt - nämlich Hürth - in eine Schockstarre versetzt. Es war der schwierigste und emotionalste Prozess für die Beteiligten der Kölner Strafkammer - das sagt der Vorsitzende Richter nach dem Urteil. Es sei auch ihm nicht immer leicht gefallen, die nötige professionelle Distanz und Neutralität zu wahren.
Auch Opferanwältin Monika Troll sprach nach dem Urteil von einem außergewöhnlich belastenden Verfahren. Allen würde der Prozess in den Knochen steckt. Es sei hochemotional, sie habe in 20 Jahren Strafverteidigung und Nebenklagevertretung noch nie so intensiv erlebt. Die Familie von Avin versuche Normalität herzustellen, so die Anwältin. Aber es funktioniere nicht. Für das Gericht ist es erwiesen, dass der Verurteilte bei Rot über die Kreuzung gefahren ist und die Kinder hätte sehen müssen. Der 21-Jährige hat den Schuldspruch regungslos zur Kenntnis genommen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.