Musik / CD

Barbra Streisand: WallsDie Liebe als Trump-Gegenmittel

Zum ersten Mal seit 2005 veröffentlicht die 76-jährige Barbra Streisand ein Album mit Eigenkompositionen. Die wuchtigen Songs zum großen Orchestersound sind Plädoyers gegen Donald Trump und seine Welt. Sowohl Streisands neue Stücke ("Don't Lie To Me") als auch die zahlreicheren Cover-Versionen ("What The World Needs Now") kommentieren stimmgewaltig, aber durchaus sensibel Amerikas politische Gegenwart. Wenn Barbra Streisand elegante Broadway-Stücke neu zusammensetzt und ihr Comeback-Album "Walls" mit einem laut geatmeten Seufzer endet, wird klar, was die klassischste aller Gesangsdiven hat und was dem Politiker fehlt: Klasse und Mitgefühl.

Superlative aufzuzählen, langweilt in der Regel ein bisschen. Trotzdem sollte man sich ein paar Fakten zu Gemüte führen, um die irdische Größe der Diva zu begreifen. Nach Elvis Presley, aber noch vor den Beatles und den Rolling Stones, verkaufte Barbra Streisand die meisten Tonträger auf dem Planeten Erde. Um die 140 Millionen, munkelt man. Dazu verbuchte sie über sechs (!) Jahrzehnte Nummer-eins-Alben in den US-Charts und wurde 1977 als erste Frau überhaupt mit dem Oscar für die Komposition eines Songs ausgezeichnet ("Evergreen" aus "A Star Is Born").

Die gebürtige New Yorkerin und politisch engagierte Demokratin ist mittlerweile 76 Jahre alt, wirkt auf dem Cover ihres neuen Albums "Walls" jedoch, als hätte sie einen mit dunkler Magie gebrauten Jugendtrank zu sich genommen. Von Falten im Gesicht der blonden Zauberin im schwarzen Gewande - keine Spur. Knitterfrei, aber keineswegs glattgebügelt wirkt auch die Stimme der Streisand. Weltweit dürften "Walls"-Kritiker rätseln, woher sie ihre Power und ihre markante Ausdruckskraft noch nimmt, denn man hört ihrer Stimme das Alter keineswegs an.

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Drei Songs auf "Walls" komponierte Barbra Streisand selbst. Die spanische Gitarre im Opener "What's On My Mind" zum klassischen Orchester-Arrangement zeigt, dass sie ihren Larger-Than-Life-Sound immer noch liebt, selbst wenn im zweiten Titel "Don't Lie To Me" (ein sehr "direkter" Song über Donald Trump) wuchtige Beats zum wütenden Flehen des Textes zu hören sind. Sanfte Modernismen bleiben auf "Walls" jedoch die Ausnahme. Es dominieren üppige Großorchester, die von den Grammy-Seriensiegern Walter Afanasieff, John Shanks und David Foster arrangiert und produziert wurden.

Nicht originell, aber funktional in Sachen Songqualität geht Barbra Streisand bei der Wahl ihrer Coverversionen vor: Eine Verschmelzung der Evergreens "Imagine" und "What A Wonderful World" zu "Imagine What A Wonderful World" dürfte das mit einem Herz ausgestattete Publikum ebenso "kriegen" wie der vielgecoverte Titel "What The World Needs Now". Und wer sich, wie beim Burt-Bacharach-Klassiker, das warmherzige Organ eines Michael McDonald für den Backgroundgesang leisten kann, macht automatisch alles richtig, wenn es um die Gefühlsintensität geht.

Zwei der stärksten Stücke hat Barbra Streisand am Schluss von "Walls" versteckt: den wunderbaren Song "Take Care Of This House" von Jay Lerner und Leonard Bernstein aus dem Musical "1600 Pennsylvania Avenue" und "Happy Days Are Here Again" - komponiert 1929 und seit Franklin D. Roosevelts Wahlkampf 1932 offizielle Partyhymne der Demokratischen Partei. Die beiden finalen Stücke auf diesem verkappten Konzept-Album über Humanismus und Liebe in Zeiten der Lüge sind künstlerisch feingliedrige Kommentare zur Zeit. Gerade der Streisand-Klassiker "Happy Days ..." klingt auf wundersame Weise gleichzeitig besorgt, traurig, aber auch kämpferisch. Mit dem besagten anrührend authentischen Seufzer am Ende dürfte dieser Song einer der besten politischen Kommentare des Jahres 2018 sein.

Eric Leimann

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelWalls
Bandname/InterpretBarbra Streisand
GenreIkonen-Pop
Erhältlich ab02.11.2018
LabelSmi Col
VertriebSony Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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