Musik / CD

VNV Nation: NoireVon der Oper auf den Rummel

Future-Pop hatte es immer schwer. Teile der Schwarzen Szene betrachten das Genre seit jeher als zu kommerziell und zu einfallslos, von außen hingegen wird die Symbiose aus düsterem Synthie-Pop und EBM oft als eine Art "Schwarzer Schlager" verstanden. Daran haben Mainstream-Exporte wie Unheilig oder LaFee ihren Anteil, aber auch die Annäherung von populären Chart-Hits an szenespezifische Insignien. Brachiale Techno-Beats, melancholische Vokal-Melodik, pathetisches Songwriting - die Essenz dieser Strömung ist längst in den Hitparaden etabliert. VNV Nation gelten als Pioniere dieser Stilrichtung - Frontmann Ronan Harris will den Begriff "Future-Pop" gar selbst geprägt haben. Ihr zehntes Studioalbum "Noire" wird wohl nichts daran ändern, dass viele in Future-Pop nur ein Szene-Zerfüwfnis sehen: Die Musik ist einfach zu beliebig.

Die Single "When Is The Future?" demonstriert es deutlich: Ronan Harris, der sich nach 22 Jahren von Bandkollege Mark Jackson getrennt hat, ist nicht daran interessiert, den Stil der gepriesenen Anfangstage ("Praise The Fallen", "Empires") mit "Noire" fortzusetzen. Statt der rohen Rave-Infusion aus dem Hardcore-Techno der 90er-Jahre dominieren die poppigen Ohrwurm-Kadenzen seines Gesangs viele schale Trance-Rhythmen. Unweigerlich geben Lieder wie "Armour" oder "Only Satellites" mit Rummerplatz-Synths, repetitiven Basslines und auffallender Beiläufigkeit in Text und Ton die Einfältigkeit von Harris' erstem Alleingang seit Ende der 90-er preis. Techno-Schlager? Ein bisschen.

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"Noire" ist ein eigenartiges Album. Ohne Scheu vor Gemeinplätzen marschiert Harris "like a killer on the run" 70 Minuten lang durch einen gleichförmigen Elektro-Pathos-Sumpf, der klingt, als hätte ein Depeche-Mode-Fan sich auf eine Goa-Party verirrt. Da wollen Gefühle heraufbeschworen werden, allerdings mit musikalischen Luftpumpen. Auf seinen schmeichelhaft gemeinten Arpeggiator-Kompositionen intoniert der in Hamburg lebende Ire haufenweise Durchhalte-Parolen wie "I endure, I resist what is killing me" oder "Hold on, hold on till dawn has come". Dieser Kampfgeist ist bewundernswert, in der Form aber eben auch nicht besonders einfallsreich.

Nach den Uptempo-Songs mit brachialen Synthesizern und diabolischem Barriton-Gesang folgt dann oft ein balladeskes Instrumentalstück. Das ist nicht nur verwirrend, sondern gaukelt auch vor, es hier mit anspruchsvoller Kunst zu tun zu haben. Allerdings verschwindet auch nach dem siebenminütigen Abschlusssong "All Our Sins" das Gefühl nicht, hier gerade aus der Oper in einen Autoscooter gefallen zu sein.

Jan Treber

Audio CD
Bewertungenttäuschend
CD-TitelNoire
Bandname/InterpretVNV Nation
GenreFuture-Pop
Erhältlich ab12.10.2018
LabelAnachron Sounds
VertriebSoulfood
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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