Musik / CD

Laing: FotogenaEchte Blitzlichtliebe

Am Anfang lassen Laing das Blitzlicht auf ihren körperlichen Hüllen reflektieren. Wie in einem perfekt ausgeleuchteten Studio posieren die Berlinerinnen sich durch eine Art vertontes Fotoshooting. Sie winden sich hin und her und lassen die Grenze zwischen Sex und Technik verschwimmen, als wäre das Objektiv nicht scharf gestellt. "Du weißt, wenn du jetzt nicht schießt, mach ich's mir Selfie", zeigen sie sich von ihrer Schokoladenseite. Dazu ordentlch Beat und Bass: Laing eröffnen ihr neues Album "Fotogena", das erste seit vier Jahren, vielversprechend und selbstbewusst.

Auf dem humorvollen Stück "Nein" - wir befinden uns immer noch am Anfang - klingen Laing wie Wir sind Helden zu besten Zeiten, während sie die Frage nach dem Freundebleiben mit nonchalanten Zeilen wie "Wir können uns lieben, aber ohne die Geigen, wir können uns sehen, und manchmal können wir es treiben" beantworten. Kompromisse werden hier nicht gemacht, ganz oder gar nicht.

Etwas enttäuschend gestaltet sich dagegen die Albummitte. "Hol den Wagen" dudelt wie Fahrstuhlmusik vor sich hin und will auch im Refrain keinen Schwung aufnehmen. Das ändert sich auch mit dem schnipsend vorantorkelnden Titel "Meine Sprache" nicht. Dafür gibt es zumindest wieder typische Laing-Liebespoesie: "Tut mir leid, wenn es manchmal schlecht übersetzt ist, aber mein Herz ist des Deutschen nicht mächtig." So finden sich auch in den mittelmäßigen Songs immer noch filigrane und präzise Texte, auch wenn der mehrstimmige Soul-Pop sich manchmal gefährlich nah an der Plätschergrenze bewegt.

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"Nieselregen", vorab schon als Single erschienen, punktet danach mit Lounge-Musik im Stil der 70-er und einer verzerrten Erzählerstimme, die sich "zum Frühstück ein Tütchen Kopfschmerzpräparat" einflößt und das Leben gerade noch so erträgt. Auch bei Laing ist hinter der ansehnlichen Fassade nicht immer alles schön. Leider versteifen sich die Musikerinnen bei ihrem spielerischen Umgang mit der Sprache manchmal zu sehr auf ein Wortfeld oder eine Metapher. Die Synthie-Abfahrt "Hoch ist die richtige Richtung" spinnt die gemeinsame Euphorie zweier Liebender um den Heißluftballon - kein Ballast, die Seile gekappt und so weiter. Das kann man süß finden, manchmal klingen die Konzepte aber auch wie ein zu enges Korsett, das die Band sich selbst anlegt.

In den weniger gelungenen Momenten werden die Songs aber stets vom Gesang und dem charakteristischen Laing-Pep vor dem Absturz bewahrt. Und immer, wenn dieser durchgestylte Sound wieder Gefahr läuft, nur so nebenbei zu rauschen, kommt ein Song wie "Organspende" - der wohl schönste und romantischste Bauplan des eigenen Körpers, der denkbar ist: "Meine Lungen sind nicht zum Joggen gemacht, aber man kann damit singen bis morgens um acht", erklärt Sängerin Nicola Rost ihre Anatomie.

Damit ergänzen Laing den sexuell aufgeladenen Eingangstitel "Camera" um die nötige Fragilität, so wie sich auf "Fotogena" auch an anderen Stellen immer ein reflektierendes Gegenstück zu einer Perspektive XY findet. Am Ende ist also wieder alles perfekt ausgeleuchtet, aber was Laing machen, geht über die körperliche Hülle hinaus. Wenn sie wollen, erhellen die Berlinerinnen die Innenwelt in hellstem Glanz.

Arne Lehrke

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelFotogena
Bandname/InterpretLaing
GenreSoul-Pop
Erhältlich ab07.09.2018
LabelIsland
VertriebUniversal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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