Musik / CD

Elizabeth Shepherd: The SignalEin Soul-Groove-Meisterwerk

Keine Angst, liebe Popfreunde. Vor diesem Jazz muss sich niemand fürchten. Und das, obwohl Elizabeth Shepherds meisterhaftes Album "The Signal" keineswegs Fahrstuhlmusik oder zum Jazz umdefinierter Klavier-Pop aus der Hotelbar ist. "The Signal", in dem 50 Minuten lang ein groovendes, fingerschnipsendes Song-Filetstück ins nächste fließt, ist musikalisch am ehesten zu vergleichen mit "Voodoo", dem US-Nummer-eins-Album des Soul-Jazz-Genies D'Angelo aus dem Jahr 2000. Leider verschwand der muskulöse Großmeister des Grooves danach in einem schwarzen Loch, aus dem er bis heute nicht auftauchte. Hoffentlich ergeht es der 36-jährigen Kanadierin nach dieser außerweltlichen Rhythm'n'Song-Erfahrung nicht ebenso.

Wer ist diese irgendwie französisch aussehende Pianistin, Sängerin, Songwriterin und nebenbei auch sehr außergewöhnliche Produzentin? Elizabeth Shepherd lebt mit ihrem Mann und zweijähriger Tochter in Montreal. 2006 kam ihr Debütalbum "Start To Move" heraus, das vom britischen Jazz-Kritikerpapst Gilles Peterson zu einem der drei besten des Jahres erklärt wurde. Für "The Signal" ist die wandlungsfreudige Kanadierin in einer sehr modernen, fließenden Variante des Songwriter-Jazz angekommen. Es geht um betörende Grooves, die niemals enden wollen, um Songs, die ineinanderfließen und um eine Kopfhörer-Erfahrung, die einen schweben lässt.

Elizabeth Shepherds Jazz-Ansatz ist durchaus ungewöhnlich. Für Puristen des Genres ist er zu groovy, der Gesang hingegen zu meditativ. Die Lieder und Spoken-Word-Passagen auf "The Signal" erzählen von Umweltzerstörung in Indien ("B.T. Cotton"), der Ermordung des Afroamerikaners Trayvon Martin ("Another Day") oder einer futuristischen Liebesgeschichte, die Shepherd aus Podcast-Lyrik eines kanadischen Radiosenders zusammengeschnipselt hat ("The Signal"). Auch inhaltlich wird also ein weiter Bogen gespannt. Epic-Singer-Songwriter-Jazz nennt Elizabeth Shepherd augenzwinkernd diesen Stil.

Das Spirituelle, das diese Künstlerin ausmacht, ist keine Attitüde. Mit ihrem fünf Jahre älteren Bruder ist sie in der Heilsarmee aufgewachsen. Beide Eltern dienten dort, gemeinsam zog man zunächst durch Kanada, ab Elizabeth' zehnten Lebensjahr dann durch Frankreich. Der Vater spielte Klavier und Posaune, die Mutter schrieb Lyrik. Musik und Religion - in diesem Energiefeld ist Shepherd groß geworden. Irgendwann brach Elizabeth mit der Heilsarmee und studierte zunächst klassisches Piano, später Jazz. Seit 2006 hat sie fünf Alben aufgenommen, alle klingen sehr unterschiedlich. "The Signal" sticht heraus, weil es ein komplexes fließendes Meisterwerk aus Groove und Stimmen ist. Man muss es einfach nur hören - am besten am Stück - um zu verstehen, dass man es hier mit einem der ganz großen Würfe des Jahres 2014 zu hat.

Eric Leimann

Audio CD
BewertungMeisterwerk
CD-TitelThe Signal
Bandname/InterpretElizabeth Shepherd
GenreJazz/Blues
GenreSongwriter-Soul-Jazz
Erhältlich ab03.10.2014
LabelLinus Entertainment
VertriebAlive
Laufzeit52:00
EAN Code0803057019724
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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