
Stromnetz-Sabotage: Tätersuche im Hambacher Forst erfolglos
Im Hambacher Forst bei Kerpen ist die große Suche nach einem mutmaßlichen Saboteur am Sonntagabend ohne Treffer zu Ende gegangen. Die Polizei hat dort nach einem Mann gesucht, der für versuchte Sabotage-Akte auf das deutsche Stromnetz verantwortlich sein soll.
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Polizei will das Waldgebiet aber weiter im Blick halten
Seit Tagen fahndet die Polizei nach einem 48-Jährigen aus NRW, der für versuchte Sabotage-Akte auf das deutsche Stromnetz verantwortlich sein soll. Im Fokus stand zuletzt der Hambacher Forst bei Kerpen, wo sich der Mann aufhalten sollte. Aber er wurde dort nicht gefunden, obwohl allein am Sonntag ein Großaufgebot mit rund 100 Polizeifahrzeugen da war. Die Suche wurde am Sonntagabend gegen 19 Uhr beendet. Laut einem Polizeisprecher sind keine Hinweise gefunden worden. Die generelle Fahndung nach dem Täter geht weiter, den Hambacher Forst wollen die Beamten allerdings im Auge behalten. Als Motiv für die Sabotage-Anschläge vermutet Bundesinnenminister Dobrindt Klimaterrorismus. Die Ermittler hatten am Samstag einen Fahndungsaufruf mit zwei Fotos des Verdächtigen aus Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet veröffentlicht. Inzwischen wird auch nach einem Fahrrad gefahndet, das er möglicherweise benutzt hat.
Symbol für viele Klimaaktivisten
Der Hambacher Forst ist ein Waldgebiet am Tagebau Hambach, das zum bundesweiten Symbol für den Kampf um die Energiewende und gegen die Braunkohle-Verstromung wurde. Er sollte ursprünglich dem fortschreitenden Tagebau weichen. Seit 2012 errichteten Umweltschützer und Aktivisten unter dem Motto «Hambi bleibt» Baumhäuser im Wald, um die Rodung für die klimaschädliche Braunkohle-Verstromung zu verhindern und ihn vor dem anrückenden Braunkohletagebau zu schützen. Nach einer großangelegten Räumung und langem Rechtsstreit kam die endgültige Rettung des Waldes durch die politische Einigung: Im Kohle-Kompromiss zwischen Bund, Ländern und Energiekonzernen wurde Anfang 2020 entschieden, dass der Hambacher Forst erhalten bleiben soll. Die Abbruchkante des Tagebaus endet seitdem kurz vor dem Waldsaum. Im Juni 2026 wurde eine weitere wichtige Entscheidung getroffen: Der Hambacher Forst soll Urwald werden und wird dauerhaft unter Schutz gestellt.
Hintergründe zu den Sabotageakten
Die versuchten Sabotage-Akte konzentrierten sich auf Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und zuletzt Sachsen. In allen drei Bundesländern wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt. Am Freitag hatten Beamte in der Gevelsberger Wohnung des Tatverdächtigen Sprengstoff gefunden. Später stürmte ein Spezialeinsatzkommando in Niederzier am Tagebau Hambach einen Lastwagen, der anscheinend zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Gesuchte wurde aber nicht vorgefunden. Hintergrund der Fahndung sind zwei Bekennerschreiben, die bei mehreren Medienhäusern eingingen und auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Das Wissen, was offenbart werde in diesen Schreiben, sei eindeutiges Täterwissen, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Zum Motiv sagte Dobrindt, es handele sich sehr wahrscheinlich um «Klimaterrorismus» eines Einzeltäters. In einem Bekennerschreiben heißt es: «Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.»
Auffällig ist, dass sich die betroffenen Orte in der Nähe von Gebieten befinden, in denen noch Braunkohle abgebaut wird. Aktiven Tagebau in Deutschland gibt es nach Angaben des Branchenverbandes Debriv in Nordrhein-Westfalen, im Süden Brandenburgs und Sachsen-Anhalts sowie im Osten und Westen von Sachsen.
Nach den Vorfällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, bei denen Saboteure unter anderem selbstgebaute Raketen und Abschussvorrichtungen einsetzten, entdeckte die Polizei auch in Ostsachsen zwölf Sprengvorrichtungen an Hochspannungstrassen.
Trotz der vorübergehenden Abschaltung mehrerer Braunkohle-Kraftwerksblöcke in Nordrhein-Westfalen war die allgemeine Stromversorgung laut den Betreibern zu jedem Zeitpunkt gesichert. Die Behörden prüfen derzeit eine Verbindung zwischen den einzelnen Taten in den verschiedenen Regionen.