Serie: Digitalisierung im Einzelhandel

Wie kann sich der Einzelhandel bei uns im Rhein-Erft-Kreis zukunfts- und konkurrenzfähig aufstellen? Mit dieser Frage haben sich viele Städte bei uns beschäftigt . Ein Punkt ist die Digitalisierung des Einzelhandels, um online auffindbar und weiterhin attraktiv für uns Kunden zu sein.

Wesseling startet Pilotprojekt

Die Stadt Wesseling hilft ihren Einzelhändlern dabei, sich online zu präsentieren, um mehr Aufmerksamkeit zu schaffen, sagte uns Stadtsprecherin Andrea Kanonenberg.

"Auf der einen Seite kann man natürlich seinen eigenen Handel stärken, indem man nebenher auch digital und virtuell handelt und verkauft. Auf der anderen Seite hat das natürlich auch mit repräsentativer Internetpräsenz zu tun. Und wenn es nur eine Webseite ist, die nicht mehr als eine Visitenkarte ist. Aber ich muss auffindbar sein, das ist ganz zentral wichtig."

Die Stadt ist unter anderem vor zwei Jahren eine Kooperation mit dem Verein "Wesseling digital" eingegangen, um digitale Workshops für die Einzelhändler anzubieten, so Kanonenberg weiter. Außerdem sei man gerade dabei ein digitales Pilotprojekt für die Unternehmen und für den Einzelhandel an den Start zu bringen. Zusammen mit einem Wesselinger Unternehmen sollen Einzelhändler unterstützt werden, indem man ihnen neue und digitale Wege erkläre. Die Stadt kaufe damit Expertise ein, um zu helfen. Mit dem Rieländer-Areal soll die Wesselinger Innenstadt ebenfalls belebt werden. Das erste Coworking-Space soll die City vor Leerstand bewahren.

Projekt in Bedburg gescheitert

Den Einzelhandel unterstützen - das hat sich die Stadt Bedburg schon vor Jahren auf die Fahne geschrieben. 2016 wurde die Online-Plattform "Einkaufen in Bedburg" online geschaltet. Nur zwei Jahre später wurde die Seite allerdings wieder offline genommen und die Stadt ist aus der Trägerschaft wieder ausgestiegen, weil der gewünschte Erfolg ausblieb, sagte uns Stadtsprecherin Gabriela Leibl.

"Vielleicht war es einfach zu früh. Heute weiß ich, dass es sinnvoll ist, so eine Plattform zu haben. Bei uns ist es in den zwei Jahren an der mangelnden Resonanz gescheitert."

Man werde in den nächsten Monaten die Webseite der Stadt Bedburg noch einmal überarbeiten - die sei nämlich grundsätzlich sehr gut besucht und erreiche sehr viele Menschen, so Leibl. Dort könne man viele Angebote und auch den Einzelhandel mit einbinden. Das Thema sei wichtig, denn für den Einzelhandel in der Stadt sei es nicht 5 vor 12, sondern eher schon 12 Uhr. Einen Kampf gegen die Online-Riesen zu führen, das mache für den Einzelhandel keinen Sinn. Eine Übersicht zum Einzelhandel in der Stadt gibt es unter "Marktplatz Bedburg". Die unterstütze die Stadt auch, so die Sprecherin.

Pulheim startet Marktforschung

Die Stadt Pulheim schläft ebenfalls nicht, wenn es um die Attraktivität der Innenstadt und die Wettbewerbsfähigkeit des Einzelhandels geht. Noch Anfang des Jahres gab es eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger, welche Wünsche und Anregungen es gebe. Seit November ist der Fokus auch auf digitale Geschäftsmodelle gerichtet. Diese sollen mit Hilfe eines Marktforschungsunternehmens entwickelt werden. Für das Digitalisierungskonzept werden seit Anfang November die Geschäftsleute aus Pulheim befragt. Ergebnisse dazu soll es im neuen Jahr geben, mit denen dann ein Konzept für das komplette Stadtgebiet bis Mitte 2021 fertig gestellt werden soll. Von Bürgermeister Frank Keppeler heißt es:

"Digitalisierung bestimmt in vielen Bereichen unser Leben. Deshalb ist dieses Konzept, das unserem Einzelhandel konkrete Handlungsempfehlungen geben soll, ein wichtiger Baustein und Wegweiser für Pulheim als Einkaufsstandort."

Brühl wartet auf Handy-App

Bei der Stadt Brühl haben die Verantwortlichen so langsam den Countdown für die neue Handy-App im Blick. Die soll am 1. Dezember online gehen, um den Einzelhandel zu unterstützen, online präsenter zu machen und das Geschäftsleben in der Brühler Innenstadt zu bereichern. An der Entwicklung beteiligt war Sascha Lehner vom Verein "Brühl digital". Für ihn sei das ein wichtiger Weg.

"Ich glaube, Städte sollten auf jeden Fall digitalisieren. Die Gemeinschaft aller Händler, Gastronomen und Eventanbieter sollte digitalisieren. Wenn das konsequent passiert, dann muss der einzelne Händler oder Gastronom gar nicht mehr so viel digitalisieren. Weil das Einzige, was den Einzelhandel tatsächlich umbringen würde, ist, wenn man aufhören würde darüber nachzudenken, wie man den Einzelhandel verbessert. Solange es Leute gibt, die darüber nachdenken, dann hat der Einzelhandel auch eine Zukunft."

Die App soll die Einzelhändler in Brühl nicht nur auffindbar machen und deren Produkte präsentieren, sondern technisch auch mehrere Funktionen miteinander verbinden, zum Beispiel das Shopping-Erlebnis mit Veranstaltungen im direkten Umfeld anzeigen und somit verbinden. Wenn die App am 1. Dezember online geht, dann sind noch nicht alle Funktionen freigeschaltet. Die App wird nach und nach verbessert und nach und nach werden die weiteren Funktionen freigeschaltet.

Studie: Angst um Einzelhandel

Viele Verbraucher machen sich Sorgen um den Einzelhandel, kaufen dennoch aber weiter online ein. Das ist bei einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zu den "E-Commerce-Trends 2020“ herausgekommen. Vier von fünf Verbrauchern gaben an, sie befürchteten, dass viele Einzelhändler in ihrer Region das Corona-Jahr wirtschaftlich nicht verkraften würden. Zwei Drittel gaben an, bewusst bei Einzelhändlern vor Ort einzukaufen um ihnen die Treue zu halten. Genauso viele wünschten sich allerdings auch, dass mehr lokale Händler ein Online-Angebot hätten. Das habe damit zu tun, dass die Kunden in Pandemie-Zeiten ungern in die Geschäfte einkaufen gingen.

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