Rheinland: Castor-Transport am Nordkreis vorbei gerollt
Veröffentlicht: Mittwoch, 25.03.2026 05:54
Minutenlang nur Blaulicht auf sonst leeren Autobahnen: Mit einem enormen Aufwand hat die Polizei am Dienstagabend den ersten Atommüll-Transport vom rheinischen Jülich nach Ahaus im Münsterland quer durch Nordrhein-Westfalen abgesichert.

Proteste, aber keine Zwischenfälle
Am Dienstagabend hat der umstrittene Transport von Atommüll durch Nordrhein-Westfalen begonnen. Der erste Konvoi mit einem Castor-Behälter ist gegen 22 Uhr bei uns im Nachbarkreis Düren gestartet und kam rund vier Stunden später in Ahaus im Münsterland an. Bei dem Großeinsatz waren etwa 2.400 Polizeibeamte eingebunden, außerdem 100 Fahrzeuge und ein Hubschrauber. Mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen protestieren seit gestern an beiden Standorten.
In Jülich im Kreis Düren lagern seit Jahrzehnten rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus einem Versuchsreaktor. Der radioaktive Müll steckt in gut 150 Castor-Behältern, sodass noch viele Fahrten nötig sind, um alles in Zwischenlager nach Ahaus zu schaffen. Damit handelt es sich um einen der größten Atommüll-Transporte auf der Straße seit Jahrzehnten.
Die Hintergründe
Für die Lagerung in Jülich lief die letzte Betriebsgenehmigung bereits im Jahr 2013 aus. Das NRW-Wirtschaftsministerium hatte 2014 angeordnet, das Lager in Jülich zu räumen, weil die Erdbebensicherheit nicht nachgewiesen werden konnte. Jahrelang wurden mehrere Optionen geprüft. Aus Sicht des Landes wäre ein Neubau in Jülich die beste Lösung gewesen. Das sei von der Bundesebene nicht unterstützt worden, hatte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) erklärt. Kritik kam auch aus Reihen der Polizei. Als sinnlose Mammutaufgabe hatte der NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Patrick Schlüter, im August 2025 die Transporte mit Begleitschutz kritisiert. Die Politik drücke sich um die Endlagerfrage und lasse Atommüll von einem Zwischenlager ins nächste fahren.
Es gibt in Deutschland derzeit noch keine Endlager, in denen auf Hunderttausende Jahre hinweg strahlender Atommüll sicher gelagert werden soll. Stattdessen gibt es 16 Zwischenlager, darunter das in Ahaus.


