
Neues Gutachten lässt Staatsanwaltschaft reagieren
Über fünf Jahre nach dem Einsturz der Kiesgrube in Erftstadt-Blessem hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf weitere 29 Beschuldigte ausgeweitet. Das geht aus einem Bericht des NRW-Justizministeriums hervor. Demnach hat ein Expertengutachten dafür gesorgt, dass weitere Personen in den Fokus der Ermittler geraten sind. Bisher wurde gegen zwölf Beschuldigte ermittelt.
Es geht um Dinge wie Baugefährdung, fahrlässiges Herbeiführens einer Überschwemmung durch Unterlassen und Verstoß gegen das Bergbaugesetz. Das Gutachten komme zu dem Ergebnis, dass die Kiesgrube einstürzte, weil der Hochwasserschutzwall versagt. Der Wall und die zugehörigen Böschungen an der Südseite der Kiesgrube hätten nicht den Anforderungen (nach den Genehmigungsunterlagen und der zugrundeliegenden DIN-Norm genügt. Das Versagen der Südböschung stufen die Sachverständigen demnach als geotechnischem Standard ein, der also vorhersehbar und vermeidbar gewesen wäre. In Erftstadt-Blessem hatte Starkregen im Juli 2021 einen gewaltigen Erdrutsch ausgelöst, mehrere Häuser verschwanden im Wasser. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten. Der entstandene Krater wurde zu einem Sinnbild der Flutkatastrophe.
Die Ermittlungen richteten sich ursprünglich gegen den Eigentümer und Verpächter der Kiesgrube, fünf Beschuldigte des Betreibers, fünf Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg als zuständiger Aufsichts- und Genehmigungsbehörde und den Geschäftsführer eines geotechnischen Beratungsunternehmens. Im Laufe des Verfahrens waren mehrere Objekte durchsucht und Unterlagen sichergestellt worden.