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Köln: Woelki geht bei Missbrauchsvorwürfen in die Offensive
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Köln: Woelki geht bei Missbrauchsvorwürfen in die Offensive

Der Kölner Kardinal Woelki geht im Kampf gegen Negativ-Berichterstattung weiter in die Offensive. Er hat vor dem Landgericht eine einstweilige Verfügung im Eilverfahren beantragt – und zwar gegen einen seiner härtesten Kritiker, den Kirchenrechtler Thomas Schüller.

Veröffentlicht: Mittwoch, 17.08.2022 10:35

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Hintergrund sind Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Präsidenten der katholischen Sternsinger, Winfried Pilz. Woelkis Vorgänger Meisner hatte Pilz 2014 Kontakt zu Minderjährigen verboten – aber öffentlich drang nichts nach außen. So veröffentlichte das Erzbistum Köln später unter Woelki einen überschwänglichen Nachruf auf Pilz, der auch das berühmte Kirchenlied „Laudato si“ verfasst hatte. Außerdem wurde das Bistum Dresden-Meißen erst vor kurzem über die Missbrauchsvorwürfe informiert, obwohl Pilz zuletzt dort war. Kirchenrechtler Schüller hatte der Bild-Zeitung gesagt, es sei als Dienstpflichtverletzung zu werten, dass Woelki die Dresdner nicht eher unterrichtet habe. In einer eidesstattlichen Versicherung erklärt Woelki dagegen, er sei bis vor wenigen Wochen nie mit dem Fall Pilz befasst gewesen.

Die „Bild“ hatte berichtet, dass Pilz bei Woelki wegen seiner Prominenz „unter Denkmalschutz“ gestanden habe. Ein Zeitungssprecher teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: „Sollte Kardinal Woelki eine eidesstattliche Versicherung mit dem Inhalt abgegeben haben, dass er mit dem Fall Winfried Pilz bis Ende Juni 2022 gar nicht befasst gewesen sei, halten wir das für nicht glaubhaft. Wir wissen aber, dass Kardinal Woelki bereits in einem anderen Verfahren am Landgericht Köln eine unzureichende und inhaltlich zweifelhafte eidesstattliche Versicherung abgegeben hat. Sollte sich das jetzt in einem weiteren Verfahren wiederholen, werden wir strafrechtliche Schritte erwägen.“ Man werde sich von weiteren Recherchen zur Verantwortung für die grausamen Verbrechen des Missbrauchs von Minderjährigen nicht abbringen lassen.

Ein Sprecher von Woelki wies das zurück. "Kardinal Rainer Maria Woelki steht zu 100 Prozent hinter seinen eidesstattlichen Versicherungen", sagte er. "Zu behaupten, dass Kardinal Woelki in einem anderen Verfahren eine unzureichende und inhaltlich zweifelhafte eidesstattliche Versicherung abgegeben hat, ist höchst verwegen. Denn eine solche Entscheidung trifft in Deutschland ein Gericht und nicht der beklagte Autor des Springer-Verlags."

Kritiker Woelkis im Kölner Klerus bezeichneten es als wenig glaubhaft, dass dem Kardinal über all die Jahre hinweg die Vorwürfe gegen den prominenten Pilz nicht bekannt gewesen sein sollen. "Und wenn ein Bischof etwas hört, fragt er dann nicht nach?", kritisierte ein ranghoher Geistlicher. "Da gibt es einen Täter, der bekanntermaßen in einem anderen Bistum lebt, und man fragt nicht nach, ob da alles geregelt ist? So kann Prävention gegen sexuellen Missbrauch nicht gelingen, wenn ein Bischof immer auf andere verweist."

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