
Impfmythen im Check
In Zusammenhang mit dem Corona-Virus aber vor allem auch der Impfung gibt es viele Ansichten, Meinungen und Argumente. Einige davon sind begründet und nachvollziehbar, andere beruhen auf falschen Informationen und irrationalen Sorgen oder Ängsten. Wir haben einige Impfmythen und Sorgen einem Faktencheck unterzogen.
Veröffentlicht: Donnerstag, 12.08.2021 10:13
Sorgen, Ängste und falsche Informationen rund um das Thema "Corona" gibt es genau so lange, wie die Pandemie selbst. Egal, ob es dabei um das Tragen von Masken, den Krankheitsverlauf des Corona-Virus, der Wirksamkeit von Abstands- und Hygienemaßnahmen oder den Nebenwirkungen einer Impfung geht. Viele Sorgen und Meinungen sind begründet und nachvollziehbar, andere sind es nicht. Immer wieder erreichen uns Nachrichten von Menschen aus dem Rhein-Erft-Kreis, die sich unsicher sind, ob sie sich impfen lassen sollen, oder nicht.
Mark aus Erftstadt:
"Ich möchte mich nicht impfen lassen, weil ich befürchtet trotz der Impfung meinen 6-jährigen Sohn anzustecken. Bis es für mein Kind keine Impfung gibt, nehme Ich nicht am öffentlichen Leben teil, um einer Infektion zu entgehen."
Was ist dran?
Auch Kinder können sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 anstecken und es verbreiten. Bisherigen Daten zufolge sind jedoch die Krankheitssymptome von COVID-19 selbst bei Babys und Kleinkindern häufig geringer ausgeprägt, und die Krankheit verläuft meist milder als bei Erwachsenen. Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt daher aktuell noch keine Impfung für Kinder und es gibt bislang noch keinen Impfstoff, der explizit für Kinder vorgesehen ist. Dass schwerpunktmäßig Impfstoffe für Erwachsene entwickelt werden, hat mehrere Gründe:
- Kinder sind schon allein aus ethischen Gründen nicht für frühe Tests vorgesehen. Vor der klinischen Prüfung an Kindern muss sichergestellt sein, dass in den Studien bei Erwachsenen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten sind. Die Impfstoffentwicklung für Kinder verläuft ähnlich wie die Impfstoffentwicklung für Erwachsene, d.h. sie durchläuft verschiedene Stufen, in denen die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfung geprüft werden, bevor sie eine Zulassung erlangen können.
- Der Fokus wird zunächst darauf gelegt, diejenigen zu schützen, die am schwersten an COVID-19 erkranken. Das sind bei COVID-19 insbesondere ältere Menschen und/oder Menschen mit Vorerkrankungen.
- Es ist davon auszugehen, dass mit wirksamen Impfstoffen gegen COVID-19 für Erwachsene, die im Laufe der Zeit in ausreichender Menge für die Bevölkerung vorhanden sein werden, auch das Infektionsgeschehen insgesamt zurückgedrängt werden kann. Darüber können auch Kinder geschützt werden.
- Kita- und Grundschulkinder scheinen nach allem, was bisher bekannt ist, das Infektionsgeschehen nicht in besonderer Weise anzutreiben und erkranken weniger häufig und stark als Erwachsene. (Quelle: RKI)
Christian aus Frechen:
"Viren hat es schon immer gegeben. Ich bin davon überzeugt, dass mein Immunsystem stark genug ist, um mit Corona gut fertig zu werden. Deshalb werde ich mich nicht impfen lassen"
Was ist dran?
Die meisten Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, haben keine oder nur sehr milde Symptome. Einige dagegen haben sehr schwere oder sogar tödliche Verläufe. Macht an dieser Stelle ein funktionierendes Immunsystem den entscheidenden Unterschied?
"Es gibt Hinweise darauf, dass eine funktionierende Immunabwehr direkt nach der Ansteckung eine Rolle spielt", sagt Carsten Watzl, Immunologe an der TU Dortmund. Aber darauf verlassen könne man sich nicht. Das Immunsystem sei - wenn überhaupt - nur einer von vielen Faktoren, die noch gar nicht alle bekannt sind. Er weist darauf hin, dass durchaus auch junge, gesunde Menschen mit einem völlig intakten Immunsystem schwer erkranken können.
Der Krankheitsverlauf von COVID-19 variiert hinsichtlich Symptomatik und Schwere: es können asymptomatische, symptomarme oder schwere Infektionen mit Pneumonie und weiteren Organbeteiligungen auftreten, die zum Lungen- und Multiorganversagen bis zum Tod führen können. Ein Teil der COVID-19-PatientInnen hat sich auch Wochen oder Monate nach Beginn der Erkrankung noch nicht wieder erholt und leidet weiterhin unter schweren Allgemeinsymptomen (Long-COVID). Wer an COVID-19 erkrankt, kann – auch ohne es zu wissen – seine Freunde, Kollegen und Familienmitglieder anstecken. (Quelle: RKI)
Melly aus Köln:
"Wenn sich alle impfen lassen, die geimpft werden wollen, sind diese Leute ja geschützt - sonst würde die Impfung keinen Sinn machen. Daher gefährde ich allenfalls mich selbst, wenn ich mich nicht impfen lasse"
Was ist dran?
Beim Thema Impfung fällt immer wieder der Begriff "Herdenimmunität". Die Herdenimmunität schützt Ungeimpfte: Wenn ausreichend viele Menschen in der Bevölkerung gegen einen Krankheitserreger geimpft sind, desto geringer wird die Ansteckungsgefahr für jene, die etwa aufgrund ihres Alters oder einer Grunderkrankung keine Impfung erhalten haben - beispielsweise Babys. Außerdem kann der Herdenschutz durch Impfung langfristig auf die Ausrottung einer Krankheit abzielen, Mutationen und Varianten mit eingeschlossen!
Im herkömmlichen Sinne beschreibt Gemeinschaftsschutz das Phänomen, dass bei hoher Impfquote die Weitergabe und Verbreitung eines Erregers in der Bevölkerung reduziert wird und damit auch ungeschützte Personen ein geringeres Risiko für eine Infektion haben. Dieser Effekt kann bereits bei moderaten Impfquoten auftreten und mit steigenden Impfquoten an Intensität zunehmen. In Israel konnte beobachtet werden, dass sich mit jedem Anstieg der COVID-19-Impfquote um 20% in der Bevölkerung ab 18 Jahre die Wahrscheinlichkeit einer COVID-19-Diagnostik unter ungeimpften Kindern halbierte. Dieses Phänomen wird als Gemeinschaftsschutz bezeichnet. (Quelle: RKI)
Alle Infos, wichtige Fragen und Antworten findet Ihr in einem sehr ausführlichen und übersichtlichen FAQ (Oft gestellte Fragen) zum Thema Corona und Impfung auf der Seite des Robert-Koch-Instituts! Den Link findet Ihr HIER!

