
Deutlich mehr Arbeitslose durch statistischen Effekt
Im Juni sind die Arbeitslosenzahlen im Rhein-Erft-Kreis deutlich um gut neun Prozent auf knapp 15.000 gestiegen. Dahinter stecken aber keine plötzlichen Finanzkrisen oder Konjunktureinbrüche, sondern statistische Effekte bei den Hartz-IV-Empfängern.
Veröffentlicht: Montag, 01.07.2019 08:00
Denn nach Angaben der Brühler Agentur für Arbeit muss das Job-Center seit einigen Wochen eine neue Software einsetzen. Sie filtert unplausible Einträge aus der Datenbank heraus. Die Sachbearbeiter überprüfen diese Fälle. Das Ergebnis: in der Statistik wurden viele Hartz-IV-Empfänger nach einer Maßnahme oder längerer Arbeitsunfähigkeit nicht als arbeitslos, sondern als arbeitssuchend geführt. Für die Betroffenen macht das keinen Unterschied, aber sie tauchen dadurch nicht in der Arbeitslosenstatistik auf. Das ändert sich jetzt. Auch in den nächsten Monaten können die Arbeitslosenzahlen weiter steigen. Aber auch ohne diese Effekte sind im Juni die Arbeitslosenzahlen im Rhein-Erft-Kreis leicht gestiegen, die stockende Konjunktur macht sich aber noch nicht bemerkbar. Die Arbeitslosenquote ist im Juni um 0,5 Prozentpunkte auf 5,8 Prozent gestiegen.
Job-Center räumt eigene Versäumnisse ein
Viele Mitarbeiter waren offenbar nicht richtig geschult, deshalb wurden hunderte Hartz-IV-Empfänger in der falschen Statistik geführt. Ein Grund dafür ist, dass im letzten Jahr dutzende Stellen im gesamten Job-Center neu besetzt werden mussten und bei der Einarbeitung seien anscheinend Fehler passiert, heißt es von der Geschäftsführung. Ein Beispiel: Wenn sich ein Arbeitsloser krank meldet, ändert sich sein Status von arbeitslos auf arbeitssuchend. Ist die Person wieder gesund, muss der Status wieder auf arbeitslos geändert werden, sonst taucht sie in der falschen Statistik auf. Das passiert aber nicht automatisch, sondern muss vom jeweiligen Mitarbeiter durch ein Telefonat überprüft werden. Genau diese Überprüfung ist häufig nicht geschehen. Damit das nicht mehr passiert, werden die Mitarbeiter jetzt nochmal sensibilisiert. Und auch die neue Software hilft. Sie spuckt ab sofort am Ende des Monats eine Liste mit Personen aus, deren Status überprüft werden sollte. Von der Panne sind laut Job-Center rund 1.500 Fälle betroffen, die an der falschen Stelle auftauchen und die Arbeitslosenstatistik in diesem und im nächsten Monat ansteigen lassen.