Apparat: Grammy-Chancen und Remixes

Apparat
© Mute/Phil Sharp (dpa)

LP5_RMXS

Berlin (dpa) - In rund 50 Tagen lohnt es sich diesmal ganz besonders, nach Los Angeles zu blicken. Dann werden am 26. Januar 2020 die Grammys verliehen, die wohl wichtigsten Musikpreise der Welt.

Wenn man einmal von Kraftwerk oder Zedd absieht, dann haben deutsche Pop-Acts dort in den letzten Jahren wenig gerissen. Das könnte sich jetzt aber ändern: Unter die üblichen Verdächtigen hat sich Apparat geschlichen, der mit «LP5» in der Kategorie «Best Dance/Electronic Album» nominiert ist.

Mit seiner ganz eigenen Vorstellung von elektronischer Musik, bei der sich das Analoge harmonisch mit dem Digitalen verbindet, ist der in Berlin wohnende Sascha Ring als Apparat zu einem der führenden Elektro-Musiker geworden.

Mit herkömmlichen Song-Strukturen hat Apparat allerdings wenig am Hut. Vielmehr zeichnen sich seine Song-Bausteine durch Anziehung und scheinbarer Abstoßung aus, um sich auf einer höheren Ambient-Ebene zu verbinden, die durch den schwebenden Gesang zudem eine weitere ätherische Note bekommt.

Ein «Electronic Album»? Sicher. Ein «Dance Album»? Eher bedingt. Aber das steckt absolut in den Songs: Auf der EP «LP5_RMXS» brechen vier DJs in vier Songs die Fragilität und Intimität immer wieder auf und driften Richtung Dancefloor. Die Beats machen hier die Musik, die bei «LP5» wahrlich nicht im Vordergrund stehen. Dafür hat Sascha Ring ja auch seine Band Moderat.

In «Caronte» kippt DJ Radio Slave mit seinen Echolot-Tropfen gleich mal das kammermusikalische Geigenintro über Bord und wummert sofort ordentlich los - den Drive aufnehmend, den Apparats Original erst nach und nach entwickelt. Das Filigrane wird durch einen treibenden Beat ersetzt. Dass der britische DJ Radio Slave einen Techno- und House-Background hat, ist unüberhörbar. Und einen kleinen Space-Ausflügen ins All wagt er auch.

Auf «Heroist» kommt Apparat dem Pop ganz nahe. Substance alias DJ Pete gibt ihm aber durch repetitives Gezirpe noch eine festere Struktur und lässt den Gesang, auf den DJ Radio Slave verzichtet hatte, noch mehr schweben.

«Outlier» mit seinem getragen-himmlischen Orgelklang verschiebt DJ Solomun mit einem knackigen Beat von der schwermütigen Stimmung ein bisschen mehr - unter Beibehaltung des Grundtons - in Richtung verhaltener Euphorie. Und Stimming stampft sich kompromisslos, die allgemeinen Brüche und Schwingungen Apparats widerspiegelnd, durch sein experimentelles «Brandenburg».

Mag das Album von Apparat auch einen anderen Geist atmen, die Akzentverschiebungen und Kondensierungen von DJ Radio Slave, Substance alias DJ Pete, DJ Solomun und von Stimming machen allemal Spaß. Let's Dance.

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