Kino

Die süße Gier - Il capitale umanoUnd ewig lockt das Geld

Die Finanzkrise hat in den letzten Jahren die Welt erschüttert. Viele Menschen steckten ihr Geld in dubiose Anlagen, angetrieben von der Illusion einer übermäßigen Rendite. Am Ende platzten die Träume vom großen Geld. Aber nicht die Erkenntnis, sondern die Gier ist geblieben. Davon erzählt auch der großartige italienische Filmemacher Paolo Virzì, der bereits mit "Das ganze Leben liegt vor dir" (2008) eine wunderbar bissige und treffende Gesellschaftssatire inszenierte. In "Die süße Gier" erzählt er, basierend auf dem Roman "Human Capital" des US-Schriftstellers Stephen Amidon, die Geschichte zweier Familien, die nicht nur ein tragischer Unfall miteinander verbindet.

Es geschieht mitten in der Nacht, im Winter: Ein Radfahrer wird angefahren, der Autofahrer flieht. Dem Geschehen wird zunächst weiter keine Beachtung geschenkt, vielmehr dreht sich die Geschichte nun um den kleinen Immobilienmakler Dino Ossola (Fabrizio Bentivoglio). Seine Tochter Serena (Matilde Gioli) ist mit Massimiliano (Guglielmo Pinelli) zusammen, dem Sohn einer steinreichen Familie. Deren Oberhaupt, Giovanni Bernaschi (Fabizio Gifuni), verdient sein Geld mit höchst spekulativen Finanzgeschäften und hat es damit zu einem beachtlichen Vermögen gebracht. Für Dino ist das die Gelegenheit, ihm sein Geld anzuvertrauen und in Bernaschis Investmentfonds einzusteigen - mit angeblich 90 Prozent Rendite. Müßig zu erwähnen, dass die Geschäfte nicht planmäßig verlaufen werden.

Auch Carla Bernaschi (Valeria Bruni-Tedeschi), die gelangweilte Ehefrau von Giovanni, hat sich manches anders vorgestellt. Die angestrebte Schauspielkarriere hat sie einst aufgegeben, um an Giovannis Seite ein Dasein im goldenen Käfig zu fristen. Mit einem Theaterprojekt scheint ihr Leben wieder neuen Sinn zu bekommen, zumal ihr künstlerischer Direktor Donato (Luigi Lo Cascio) sie obendrein zu seiner Geliebten macht. Allerdings nur, bis die Realität sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

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Die dritte Schlüsselfigur ist Serena, die anders als die übrigen Figuren im Film genau weiß, was sie will. Sie glaubt nicht an Geld, sondern an Ideale und an die Liebe. Darum ist auch ihre Beziehung zum labilen und verwöhnten Massimiliano gescheitert, der nun unter dem Verdacht steht, Fahrerflucht begangen zu haben und dem sie einmal aus der Patsche helfen soll.

Regisseur Paolo Virzì rollt das Geschehen aus drei verschiedenen Perspektiven auf: aus der von Dino, Carla und Serena. Erst aus diesen drei Erzählsträngen ergibt sich das ganze Bild: "Die süße Gier" ist ein vernichtendes und bitterböses Essay über eine kaltherzige, berechnende Welt, in der Geld regiert und am Ende eine große Leere bleibt. Für den tödlich verunglückten Radfahrer zahlt die Versicherung den Hinterbliebenen nicht einmal 220.000 Euro - entsprechend seinem Humankapital. Mehr waren er, seine Arbeitskraft und die Qualität seiner Beziehungen, nicht wert.

Mit seinem raffinierten und stimmig besetzten Film, der Milieustudie und Krimi in einem ist, hat Virzì in Italien große Debatten ausgelöst, weil er mit genauem Blick eine Gesellschaft seziert, die Opfer ihrer monetären Sehnsüchte ist. Über eine Million Zuschauer sahen "Il Capitale Umano" in Italien, wo er sämtliche italienischen Filmpreise abgesahnt hat, unter anderem den als bester Film und für die beste Regie. Außerdem soll er bei den Oscars 2015 für Italien ins Rennen gehen. Ob auch der internationale Erfolg gelingen wird, ist eine andere Geschichte. Aber die von "Die süße Gier" ist verdammt gut. Man sollte den Film aber - wenn möglich - im italienischen Original sehen: Durch die Synchronisation hat er an Authentizität eingebüßt.

Heidi Reutter

Kinofilm
Filmbewertungüberzeugend
FilmnameDie süße Gier - Il capitale umano
OriginaltitelIl capitale umano
Starttermin08.01.2015
RegisseurPaolo Virzi
GenreThriller
SchauspielerValeria Bruni Tedeschi
SchauspielerFabrizio Bentivoglio
SchauspielerValeria Golino
Entstehungszeitraum2013
LandI / F
Freigabealter12
VerleihMovienet
Laufzeit110 Min.
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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