Kino

Wie Iron Man die Welt sieht ...

... und wir sie bald sehen werden

Iron Man fragt nicht nach dem Weg. Geht ja auch schlecht, wenn er im Wahnsinnstempo über New York fliegt. Doch der technisch versierte Held aus "The Avengers" (Kinostart: 26.04.) hätte Hilfe in dieser Form auch gar nicht nötig: Schließlich werden alle Daten, die ein Superheld so braucht, direkt vor seinen Augen im Helm eingeblendet. Und wenn Tony Stark nicht gerade in seinem roten Kampfanzug steckt, visualisieren sich eben in seinem Labor Informationen scheinbar aus dem Nichts. Ein Hollywood-Hirngespinst? Mitnichten: Augmented Reality erobert bereits jetzt den Alltag.

Kinogänger kennen die "Erweiterte Realität", so die deutsche Bezeichnung von Augmented Reality (AR) eigentlich schon rund 30 Jahren - dank "Terminator": Wann immer in dem 1984 erschienenen SciFi-Klassiker die Welt aus der Sicht des Cyborgs gezeigt wird, sausen die Daten nur so durchs Bild: Bautyp des Motorrads dort drüben? Größe, Gewicht und Geschlecht der Person, die direkt danebensteht? Stimmen die Angaben mit denen überein, die über die gesuchte Sarah Connor hinterlegt sind? Das Gesehene wird von einem Computer in Windeseile mit Informationen ergänzt, sprich die Realität erweitert - voilà, Augmented Reality.

Doch nicht nur Actionfans sind damit bereits in Berührung gekommen. "Sportschau"-Zuschauer profitieren längst von dieser Technologie, wohl ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein: Wird bei einer Fußballübertragung vor einem Freistoß die Distanz zum Tor direkt in der Aufnahme vom Platz eingezeichnet, ist das auch schon eine Erweiterung der Realität. Gleiches gilt für die Einschlaglinien, um die die Aufnahmen moderner Rückfahrkameras beim Einparken eines Autos ergänzt werden.

Immer mehr Unternehmen entdecken die Technik für sich - allen voran Spiele-Fabrikanten. Im Herbst 2010 brachte sowohl Sony mit PlayStation Move als auch Microsoft mit Kinect eine Hardware-Erweiterung für ihre Spielkonsolen auf den Markt, die die Bewegungen des Spielers erkennen und so zur Steuerung von Computerspielen genutzt werden können. Mit dem Ergebnis, dass auf den Monitoren der Gamer nun oftmals statt Spielfiguren und animierten Welten die Spieler selbst im heimischen Wohnzimmer zu sehen sind - gern in Gesellschaft virtueller Wesen, die es zu hegen beziehungsweise abzuschießen gilt.

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Den Weg in den Alltag wird für Augmented Reality jedoch das Smartphone bereiten. Seit Kamera, Internet und GPS-Anbindung quasi zur Grundausstattung eines modernen Mobiltelefons gehören, wächst das Angebot an Augmented-Reality-Apps rapide - und zwar nicht nur im Spielebereich. Nimmt ein Wohnungssuchender seine Umgebung mit der AR-App des Immobilienportals immonet.de ins Visier, sucht diese anhand der GPS-Daten freie Wohnungen in der Nähe. Möbelhausketten wie das Dänische Bettenlager lassen ihre Kunden in ihren Anwendungen bereits testen, ob Möbelstücke aus dem Sortiment in die zu den vorhandenen Möbeln passen würden. Und AR-Browser wie Wikitude versorgen ihre Nutzer in Echtzeit mit Informationen zu dem Gebäude, das sie eben vor der Linse haben oder weisen den Weg zum nächsten Supermarkt.

Und in absehbarer Zeit wird man dafür nicht einmal mehr das Smartphone aus der Tasche holen müssen. Erst kürzlich sorgte Google mit einem ersten Werbevideo über seine Augmented-Reality-Brille für Wirbel: Die Sehhilfe verfügt über ein integriertes Mikrodisplay, das Informationen direkt auf Augenhöhe einblendet. Über die Sprachsteuerung eines Android-Smartphone verbindet sich die Brille mit dem Internet und kann so beispielsweise aktuelle Wetterdaten liefern oder via Google Maps bei der Navigation helfen. Noch in diesem Jahr sollen die Google Glasses auf den Markt kommen. Parallel dazu arbeiten in den USA die Defense Advanced Research Projects Agency und die National Science Foundation nach Berichten des "Scientific American" an der Entwicklung von AR-Kontaktlinsen, die 2014 marktfähig sein könnten.

Zudem dürfte in naher Zukunft auch Iron Man nicht mehr der einzige Überflieger mit allwissendem Helm sein: Die europäische Raumfahrtagentur Esa stellte vor wenigen Wochen den Prototyp für ihr Computer Assisted Medical Diagnosis and Surgery System fertig: Dieses vermittelt Astronauten mithilfe eines Datenhelms, wie sie im Notfall medizinische Behandlungen selbst durchführen können - selbst, wenn es sich dabei um schwierigere Eingriffe handelt. "Wenn die diese Technik einmal ausgereift ist, könnte es auch als Bestandteil eines telemedizinischen Systems zum Einsatz kommen, das Nothelfer per Satellit unterstützt", schlägt Projektleiter Arnaud Runge vor. Wie schnell aus Science Fiction doch Alltag werden kann ...

Annekatrin Liebisch

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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