Toy Story 3
Ausrangiert und auferstanden

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So wie Andy, der Besitzer der "Toy
Story"-Kinderzimmergang. Das Kind ist zu einem jungen Mann
herangewachsen, der Abschied aufs College steht an. Für die
Gefährten der Kindheit bedeutet das Lebewohl sagen - einzig
Cowboy Woody darf Andy begleiten. Der Rest wird ausrangiert, in
eine Spendenbox gepackt und soll in einem Kindergarten einen
zweiten Frühling erleben.
Was nach Abschiebung klingt, ist eigentlich eine Wiedergeburt:
Spielzeug-Astronaut Buzz Lightyear und seine Kumpel verstaubten
zuletzt in dunklen Ecken. Teenager können mit
Plastik-Dinosauriern nichts mehr anfangen. Im Kindergarten aber
bekommen sie eine neue Chance: neue Freunde, neues Spielzeug. Und
vor allem: neue Kinder, die einfach nur spielen wollen.
So schlüssig wie Lee Unkrich, der diesmal Regie führte,
die Geschichte weiterspinnt, so feinfühlig behandelt er
Themen wie Veränderung, Verlust und Abschied von der
Kindheit. Ohne dabei auf Esprit und Charme zu verzichten: Die
Figuren behalten ihre verschrobenen Eigenheiten, und auch die
dritte "Toy Story" ist ein Appell, das Spielen nicht zu
vergessen. Dabei vermeidet es der Film, die guten, alten Zeiten,
so liebevoll sie gewürdigt werden, zu glorifizieren. Das
Leben geht weiter, und das müssen die Spielzeuge lernen.
Und zwar auf die harte Tour: Das neue Kindergarten-Paradies
entpuppt sich als Hölle, die von Plüschbär Lotso
mit sanften Worten, aber harter Hand geführt wird.
Neuankömmlinge haben keine Chance, werden schikaniert, als
illegale Einwanderer behandelt und in der Krabbelgruppe der
sicheren Zerstörung preisgegeben.
In diesem Punkt ist "Toy Story 3" sehr erwachsen und
lässt sich durchaus als Allegorie auf die Welt im Wandel
verstehen. Was war, ist nicht mehr: Es gibt Schurken, deren
Boshaftigkeit persönliche Gründe haben mag. Die aber
dennoch böse sind. Lotso wurde wegen mangelnder Liebe zu
einem Tyrannen. Er ist und bleibt uneinsichtig und - der
überbordende Patriotismus ist vielleicht der einzige
Wermutstropfen - wird am Ende von den "All American
Toys" bestraft. Buzz und Co. wehren sich gegen die Tyrannei
- mit Woodys Hilfe, der seine sichere Zukunft in Andys
Collegezimmer für seine Freunde opfert.
So entwickelt sich die erstaunlich düstere, recht traurige
und sehr actionreiche Geschichte zu einer Befreiungsaktion, die
handwerklich so präzise ist wie innovativ. Lee Unkrich hat
zwar die 3D-Technik nicht erfunden, aber erstmals in einem
Animationsfilm richtig eingesetzt. "Toy Story 3" ist
seit "Avatar" der erste Kinofilm, bei dem die
Räumlichkeit nicht nur ein Marketinginstrument ist. Hier
wird keine Effekthascherei betrieben, die dritte Dimension macht
den Ausbruch aus dem Kindergarten-Gefängnis zu einer
witzigen, schwungvoll inszenierten Ablenkung von der großen
Melancholie und den Tränen, die guten Gewissens vergossen
werden können.
So fesselnd und rasant "Toy Story 3" auch ist: Es ist
ein Film des Abschieds und der Wehmut. Zum Glück mit viel
Esprit, pfiffigen Kalauern, einer Lovestory in Pink und Plastik
und einem sehr, sehr versöhnlichen Ende.























