Kino

Inception

Ein Traummann

VergrößernMit "Inception" konzipierte Christopher Nolan ein äußerst verschachteltes Traumgebilde. Dass er selbst nicht den Überblick zu verlieren scheint, ist bemerkenswert.
© 2010 Warner Bros. Ent.
Ein Anzeichen dafür, dass man sich in einem Traum befindet, sei, dass man sich nicht mehr daran erinnern kann, wie das Ganze eigentlich anfing. Sagt Cobb. Und Cobb muss es wissen, denn Träume sind sein Metier. Er und seine Mitstreiter konstruieren sie, um dem Unterbewusstsein ihrer Opfer wertvolle Geheimnisse zu entlocken. Ein Geschäftsmodell, das für die Kriminellen funktioniert - bis ein milliardenschwerer Unternehmer ihr System durchschaut und ihnen eine andere, schier unlösbare Aufgabe stellt: Statt eine Idee zu stehlen, sollen sie eine einpflanzen. "Inception" nennt sich das Verfahren, dass Christopher Nolans neuem Thriller mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle seinen Titel gibt.

Die Forderung des Geschäftsmannes Saito (Ken Watanabe) ist einfach und unmöglich zugleich: Robert Fisher ("Batman Begins"-Fiesling Cillian Murphy), der Erbe seines größten Konkurrenten, soll den Drang verspüren, das Imperium seines Vaters aufzulösen. "Nicht durchführbar", befindet Traumexperte Arthur (Joseph Gordon-Levitt, "(500) Days Of Summer"), doch dessen Kompagnion Cobb (DiCaprio) will den Versuch wagen - aus persönlichen Gründen: Mit einem Anruf würde der mächtige Auftraggeber den Haftbefehl aussetzen, der den Traumdieb seit Jahren daran hindert, zu seinen Kindern in die Vereinigten Staaten zurückzukehren.

So rekrutieren die beiden ein Team, um das Unterbewusstsein des Konzernerbens zu manipulieren. Darunter die junge Architektin Ariadne (Ellen Page), die beim Konstruieren von Traumszenarien nicht nur Paris buchstäblich auf den Kopf stellt, sondern - wie das Publikum - erst einmal in die Kunst des Traumteilens eingeführt werden muss.

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So kompliziert wie die Architektur der Träume gestaltet sich in Folge auch die des Films: Handlungsebene über Handlungsebene schichtet Autor und Regisseur Christopher Nolan auf - wie Stockwerke eines Wolkenkratzers. Alles hängt zusammen. Eine einzige Lücke, ein kleiner Riss, ein fehlender Baustein würde das Gebilde in sich zusammenfallen lassen. Doch Nolans Planung hält den kritischen Blicken der Prüfer stand. Vielleicht gibt es in seinem Skript Logiklöcher, doch auf den ersten Blick sind sie nicht zu erkennen. Man ist zu beschäftigt, um danach suchen zu können, denn gerade im letzten Drittel des Thrillers passiert alles auf einmal, rasant geschnitten, optisch hervorragend umgesetzt. Auf allen Ebenen wird verbissen gekämpft, sei es gegen schießwütige Verfolger oder einfach gegen die Gesetze der Physik.

Oder aber gegen die Geister der Vergangenheit, personifiziert von Cobbs großer Liebe Mal, die stets auftaucht und Missionen manipuliert. Gespielt wird diese von "La Vie En Rose"-Aktrice Marion Cotillard - ob es Zufall war, dass Christopher Nolan Edith Piafs "Non, Je Ne Regrette Rien" als Hauptthema des Soundtracks wählte? Wohl nicht, denn jedes Detail scheint hier eine Bedeutung zu haben. Nicht immer ist bei diesem Tempo, bei dieser Vielzahl von Ebenen und Entscheidungen exakt nachvollziehbar, warum die Figuren gerade handeln, wie sie handeln. Doch diese Verwirrung reicht nie aus, um das Publikum den Faden oder gar das Interesse verlieren zu lassen. Nur anfangs bleiben einige Momente, sich zu fragen, ob man Ähnliches schon einmal gesehen hat. In "Matrix" vielleicht oder Michel Gondrys Meisterwerk "Vergiss mein nicht!". Die Zeit, darüber nachzudenken, lässt Nolan einem innerhalb der zweieinhalb Stunden jedoch nicht. Wie das Ganze eigentlich anfing, ist längst vergessen.

Annekatrin Liebisch
Inception
USA / GB, 2010
Science Fiction
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Marion Cotillard, Joseph Gordon-Levitt u.a.
Starttermin: 29.07.2010
Quelle: "teleschau - der mediendienst"
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